Einwendung UNi-Ratekau e.V.

Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

Staatskanzlei Abtlg. 3 Landesplanung

Kennwort: Raumordnungsverfahren Schiene

Düsternbrooker Weg 104

24105 Kiel

 

 

Einwendungen Raumordnungsverfahren Schienenhinterlandanbindung Feste Fehmarnbeltquerung

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren.

 

Die Umwelt- und Naturschutzinitiative Ratekau e.V. (UNi-Ratekau) ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mensch, Umwelt und Natur im Gemeindegebiet und in ganz Ostholstein zu schützen. Wir haben außerdem ein 2300 qm großes Grundstück gepachtet und errichten dort gerade unser Naturbildungsprojekt „UNi im Grünen“. Damit schaffen wir ein Areal, auf dem interessierte Menschen einen kompakten Überblick darüber erhalten, welch vielfältiges Leben in einem Naturbereich möglich ist, wenn ihm die Nischen dafür geschaffen werden. D

Dieses Grundstück befindet sich in Ratekau, Sereetzer Weg, ca. 50 m entfernt von der Querungsanlage BÜ-km 9,446 an der Bestandstrasse 1A im Trassenabschnitt 1A.2.

 

Wir lehnen die Planung zum Ausbau dieser, sowie aller weiteren untersuchten Trassenvarianten ab und beantragen, das Verfahren einzustellen und eine Überprüfung des Gesamtprojektes FFBQ anzustreben. Zur Begründung tragen wir vor:

 

Das Naturbildungsprojekt „UNi im Grünen“ bietet mit Streuobstwiese, Baumpatenschaften, Trockenmauer, Totholzhabitat, Naturzäunen und dem Artenschutzprojekt Wildpflanzen ein Naturerlebnis, wie es auch in einer ländlichen Gemeinde wie Ratekau in den wenigsten Gärten so geballt zu finden ist. Dies bewerben wir vor allem auch in Kindergärten, Schulen und Vereinen. Durch einen Ausbau der Bestandsstrecke 1A und eine mögliche Schließung der Querungsanlage BÜ-km 9,446, wird die Erreichbarkeit unseres Grundstücks extrem
verschlechtert. Gerade die kleineren Kinder aus Kindergärten und Grundschule müssten sehr viel weitere Wege zurücklegen, um zu dem Grundstück zu gelangen, wenn die Querung an den Ortsausgang Ratekau Richtung Hemmelsdorf verlegt würde.

Außerdem würde die geplante Schließung dieser Querungsanlage in Ratekau zur Isolierung von Straßen (Am Kuhlensee, Sereetzer Weg teilw.) vom Ortsgebiet führen. Der Sereetzer Weg (L290) ist ein stark frequentierter Schulweg und eine wichtige Verbindung zum ebenfalls zur Gemeinde Ratekau gehörenden Ort Sereetz, über den auch der ÖPNV geführt wird.

 

Durch eine alternativ mögliche Erneuerung der technischen Sicherungsanlage an diesem Bahnübergang würde die Isolierungswirkung ebenso erreicht, weil die Schrankenschließungszeiten nur sehr begrenzte Durchfahrtmöglichkeiten bieten. Die in den Untersuchungen zugrunde gelegten mittleren Schließzeiten von
120 Sek. pro Zug sind bei den geplanten Güterzuglängen von 835 m und einer max. Fahrtgeschwindigkeit von 100 km/h nicht einzuhalten. Wir bemängeln dies und fordern eine Berechnung der korrekten Schließungszeiten nach unterschiedlichen Zugarten, damit die Einschränkung der Mobilität durch geschlossene Bahnübergänge realistisch abgebildet wird.

 

Wir haben sehr viel ehrenamtliche Arbeit und noch viel mehr privates Geld in den Aufbau dieses Projektes investiert. Durch die geplante Güterzugtrasse in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Grundstück
fürchten wir, daß die Attraktivität des Projektes leiden und es nicht so angenommen werden könnte, wie es ohne die Durchleitung von Güterzügen der Fall sein könnte. Wir behalten uns in jedem Fall vor, als Erschwernisausgleich Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

 

Das ganze Projekt Feste Fehmarnbeltquerung, damit auch die Schienenhinterlandanbindung, zerstört große Bereiche dessen, wofür die Gemeinde Ratekau steht. Ratekau ist eine mehrfach ausgezeichnete Umweltschutzgemeinde. Von Politik und Verwaltung wird seit vielen Jahren Umwelt- und Naturschutz, Steigerung der natürlichen Artenvielfalt (Biodiversität) und Klimaschutz konsequent umgesetzt. Auch das ehrenamtliche Engagement des ehemaligen Ratekauer Umweltschutzvereins AUGE, des USV-Sereetz und seit 2009 auch der UNi-Ratekau, trägt mit vielen nachhaltigen Naturschutzprojekten zur Steigerung der Attraktivität unserer Umweltschutzgemeinde bei.

 

Alle im ROV untersuchten Trassenvarianten der Schienenhinterlandanbindung für die FFBQ führen zu irreparablen Schäden an der Umwelt. Durch jede der vier im Hauptvergleich untersuchten Trassen kommt es zu einer Zerschneidung der Landschaft, zusammenhängender Waldgebiete und von Bioverbundsachsen. Jede zweigleisig elektrifizierte Trasse, aber auch die mitten in geschützte Landschaft hinein geplanten
Betriebsbahnhöfe, werden für bestimmte Tierarten zu einem unüberwindlichen Hindernis, führen damit zur genetischen Isolation und entsprechen nicht den Zielen der Biodiversität. Damit widerspricht jede der untersuchten Trassenführungen auch den Zielen des Landesentwicklungsplanes.

 

Auch der Bau der Querung selbst hat verheerende Folgen für den Umwelt- und Naturschutz und damit auch für die Menschen und ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage in Ostholstein. Die Sedimentaufwirbelungen während der Baggerarbeiten werden die Ostsee auf Jahre hinaus trrüben. Dies wird sich nicht nur auf den Tourismus negativ auswirken, sondern ebenso auf die Flora und Fauna in der Ostsee. Besonders gefährdet sind hierbei der Schweinswal, Kegelrobben, Muschelbänke und zahlreiche Wasserpflanzen.

 

Wir weisen darauf hin, dass das Gesamtprojekt Feste Fehmarnbeltquerung einer Neubewertung bedarf. Der zwischen Deutschland und Dänemark geschlossenen Staatsvertrag beinhaltet eine Verständigungsklausel, die sich explizit auf auf möglicherweise veränderte Voraussetzungen für das Projekt bezieht. Diese Veränderung in den Voraussetzungen ist nicht nur durch die seit 2002 (mit diesen Zahlen wurde das Projekt bewertet) gestiegenen Kosten gegeben, sondern spätestens seitdem bekannt ist, dass weder die Fehmarnsundbrücke noch die Storestroembrücke dem prognostizierten Verkehrsaufkommen gewachsen sind.

 

Bei dieser Neubewertung sind die volkswirtschaftlichen Schäden durch Bau- und Betriebsphase der FFBQ und der Schienenhinterlandanbindung, gerade in Hinblick auf Kosten durch gesundheitliche Folgeschäden, Arbeitsplatzverluste, Grundstücks-/ Immobilienentwertung, Kaufkraftverlust, finanzielle Schwächung der Gemeinden, zu berücksichtigen. Ebenso sind die Folgekosten der ökologischen Schäden in der Ostsee durch Sedimentaufwirbelungen während der Baggerarbeiten einzuberechnen.

 

Wir fordern die Landesregierungauf, diese Bedenken im Bund vorzutragen und auf eine Verhandlung mit Dänemark zu drängen, damit das Gesamtprojekt Feste Fehmarnbeltquerung gestoppt wird.

 

Kerstin Fischer

Vorsitzende der UNi-Ratekau e.V.